Acht Tatverdächtige ermittelt
Raub-Überfall auf Goldtransport aufgeklärt

Raub-Überfall auf Goldtransport aufgeklärt - Nach nunmehr fast zweimonatigen, intensiven Ermittlungen in enger Zusammenarbeit mit den Kollegen der Polizeipräsidien Bonn und Mittelfranken ist es der Ermittlungsgruppe „Gold“ bei der Polizeidirektion Ludwigsburg gelungen, den im Dezember in Ludwigsburg verübten, spektakulären Raub auf einen Goldtransport aufzuklären.
Im Rahmen einer minutiös geplanten Durchsuchungsaktion an insgesamt 12 Objekten in Bonn, Meckenheim, Rheinbach und Wesseling (NRW), an der neben rund 70 Beamten von Schutz- und Kriminalpolizei aus Ludwigsburg und Bonn auch fünf Sondereinsatzkommandos aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, ein Mobiles Einsatzkommando und die Polizeihubschrauberstaffel Baden-Württemberg beteiligt waren, konnten am Donnerstagmorgen vier der bislang acht ermittelten Tatverdächtigen vorläufig festgenommen werden. Die Durchsuchungen führten darüber hinaus zur Sicherstellung von Beweismitteln.
Was war passiert
Zwei Angestellte, eines Schmuck- und Goldhandelsunternehmens aus Nürnberg, die mit dem Firmeninhaber verwandt sind, befanden sich an dem Dienstag im Dezember auf dem Weg von Nürnberg nach Pforzheim und transportieren Schmuck sowie Zahngold im Wert von ca. 1,8 Mio. €, das zur Einschmelzung in einer Scheideanstalt vorgesehen war. Sie waren unterwegs mit einem Daimler Chrysler, silber/grau, Typ Sprinter, amtliches Kennzeichen NM-RH 818, mit u.a. der Aufschrift „Antik- und Schmuckmärkte - Neumarkt“. Fahrtbeginn war gegen 08.30 Uhr am Ladengeschäft in 90461 Nürnberg, Allersberger Straße 33, wo unmittelbar vor Fahrtbeginn – zwischen ca. 08.00 Uhr und 08.15 Uhr – das Fahrzeug beladen wurde.
Auf der BAB 81, zwischen den Anschlussstellen Pleidelsheim und Ludwigsburg-Nord, wurden sie von einem mit drei Männern besetzten, dunklen 3er oder 5er BMW mit Nürnberger Behördenkennzeichen überholt Im Bereich des Armaturenbretts war ein Blaulicht in Betrieb, im Bereich der Heckscheibe eine rote Leuchtschrift „Bitte folgen“. Die Geschädigten folgten diesem BMW über die Ausfahrt Ludwigsburg-Nord auf die B27, Fahrtrichtung Ludwigsburg und wurden von diesem unter der dortigen Autobahnbrücke gegen 10.00 Uhr gestoppt. Sie wurden von den Tätern, die sich als Steuerfahnder ausgaben, zum Verlassen des Fahrzeugs aufgefordert mit dem Hinweis, dass sie aufgrund von Steuerhinterziehung verhaftet seien. Außerdem sei ihr Fahrzeug beschlagnahmt. Zeitgleich finde eine Durchsuchung der Firma in Nürnberg statt. Unmittelbar darauf wurden ihnen Handschließen angelegt und sie wurden in den BMW verbracht. Sämtliche Täter waren mit grünen Oberteilen und schwarzen Westen mit der Aufschrift „Polizei“ bekleidet. Von den Geschädigten konnten bei den Tätern keine Waffen wahrgenommen werden. Zeitgleich hielt hinter dem Fahrzeug der Geschädigten ein roter VW-Bus mit abgedunkelten Scheiben, Typ 4 oder Typ 5, mit dem Kennzeichen SÜW-? oder SU-W an, aus welchem ein vierter Täter ausstieg.
Der BMW mit den beiden Geschädigten sowie das Fahrzeug der Geschädigten wurden anschließend wieder auf die BAB 81, Fahrtrichtung Heilbronn, gelenkt. In einem Waldstück zwischen der Strecke Neuenstadt – Bad Friedrichshall und Oedheim wurden sie auf einem Waldweg gefesselt ausgesetzt. Den Geschädigten, welche keinerlei Verletzungen aufwiesen, gelang es wenig später, zur Straße zurück zu kehren und Fahrzeuge anzuhalten, deren Insassen die Polizei verständigten.
Der gestohlene Sprinter wurde am Abend in Ortsnähe von Mundelsheim, im Bereich der dortigen Autobahnausfahrt, auf einem Wanderparkplatz aufgefunden.. Bei der Kriminalpolizei Ludwigsburg wurde zur Klärung der Tat noch am Tattag die Ermittlungsgruppe „Gold“ eingerichtet.
Ermittlungserfolg
Bis heute sind die Ermittler über 330 Spuren nachgegangen und setzten daneben mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit auf die Unterstützung der Bevölkerung. Erste eingegangene Hinweise hatten sich zunächst auf das eigentliche Tatgeschehen und die dabei verwendeten Tatfahrzeuge bezogen. In den vergangenen Wochen jedoch führten weitere Hinweise auf die Spur möglicher Tatverdächtiger in den Rhein-Sieg-Kreis und trugen letztlich zu deren Identifizierung bei.
Zug um Zug ist es der Ermittlungsgruppe „Gold“ im Folgenden gelungen, eine Gruppe mutmaßlicher Tatverdächtiger zu identifizieren, bei denen es sich im 6 türkische, jordanische und iranische Staatsangehörige im Alter von 21 bis 37 Jahren und zwei 23- und 24-jährige Deutsche aus Bonn, Meckenheim und Rheinbach handelt.
Als Kopf der Gruppierung sehen die Ermittler derzeit den 25-Jährigen Kawa HOMAM-GHAZI aus Rheinbach an, der zusammen mit seinem in Bonn wohnhaften 28-jährigen Landsmann Giwar HAJABI, der in der Rapper-Szene als „XATAR“ bekannt ist, die Fäden gezogen und die Tat maßgeblich vorbereitet haben dürfte.
Dazu gehörte unter anderem die Beschaffung von Handschließen und anderen polizeitypischen Requisiten, die den am 15. Dezember an der Autobahnanschlussstelle Ludwigsburg-Nord verübten Raub zunächst als einen Polizeieinsatz erscheinen ließen und aus einem Geschäft im Raum Freiburg stammen. Beide sind derzeit flüchtig und halten sich möglicherweise in Osteuropa auf. In ihrer Begleitung dürfte sich nach den bisherigen Erkenntnissen auch der 26-jährige Sami ABDEL HADI aus Bonn befinden. Ebenso flüchtig ist derzeit der 21jährige Sidar COSKUN aus Meckenheim.
An einer der bei der Tat verwendeten Handschließen wurden DNA-Spuren gesichert, die mittlerweile einem 21-Jährigen aus Meckenheim zugeordnet werden konnten. Er wurde, wie auch ein 24jähriger Deutscher, am Donnerstagmorgen von den Einsatzkräfte in Bonn und Rheinbach festgenommen. Zwei weitere Männer, die sich zum Zeitpunkt der Durchsuchungsmaßnahmen in den zwei Wohnungen aufgehalten hatten, wurden nach Durchführung kriminaltechnischer Maßnahmen mittlerweile wieder auf freien Fuß gesetzt.
Bei den Durchsuchungen stellten die Beamten ein Pistolenholster, mehrere Anscheinswaffen und daneben eine polizeitypische Weste, eine Schutzweste sowie Wollhandschuhe sicher, die bei der Tatausführung verwendet worden sein könnten. Darüber hinaus fanden die Ermittler verschiedene schriftliche Unterlagen, die einen Zusammenhang mit dem Raub erkennen lassen.
Die beiden Festgenommenen, ein 21-jähriger Türke und ein 24-jähriger Deutscher wurden nach ihrer Festnahme mit einem Polizeihubschrauber nach Ludwigsburg gebracht und werden auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart dem Haftrichter vorgeführt.
Von dem geraubten Gold fehlt unterdessen noch jede Spur. Ebenso noch nicht aufgefunden wurden die bei der Tat verwendeten Fahrzeuge. Die Kriminalpolizei geht weiter davon aus, dass die Tatverdächtigen am Tag des Raubes im Bereich von Mundelsheim beim Verladen des Raubgutes aus dem gestohlenen Sprinter in den roten VW-Bus von einem Jogger beobachtet wurden. Dieser Mann hat sich bislang nicht gemeldet und wird gebeten, sich mit der Kriminalpolizei Ludwigsburg in Verbindung zu setzen.
Die Fahndung nach den vier flüchtigen Tatverdächtigen läuft indes auf Hochtouren. Hinweise zum Aufenthaltsort der Gesuchten nimmt die Kriminalpolizei Ludwigsburg, Tel. 07141/18-9 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.Die Anzeige dieses Bildes wird in Ihrem Browser möglicherweise nicht unterstützt.
(pol/lh)
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