09.02.10 / 16:29 Uhr

"Fußball trifft Kultur"

VfB Stuttgart startet Pilotprojekt zur Sprachförderung

 



VfB Stuttgart startet Pilotprojekt zur Sprachförderung - Mit Bewegung lässt es sich leichter lernen - diese wissenschaftliche Erkenntnis war der Anlass, dass die Frankfurt Book Fair Literacy Campaign (LitCam) 2006 das Projekt "Fußball trifft Kultur" ins Leben rief. Das Ziel: Durch die Kombination von Fußballtraining und ergänzendem Deutschunterricht die Sprachfähigkeit von Schülerinnen und Schülern im Vorfeld des Übergangs auf weiterführende Schulen zu verbessern und darüber hinaus das Interesse an Kultur und Bildung zu wecken Nachdem das Projekt bereits erfolgreich in Frankfurt, Berlin und Hamburg durchgeführt wird, startet nun auch in Stuttgart das 'Fußball trifft Kultur'-Projekt.

Zum Auftakt des ersten Trainings informieren heute die Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport, Dr. Susanne Eisenmann, der Präsident des VfB Stuttgart, Erwin Staudt, der Rektor der Martin-Luther-Schule, Martin Schmidt sowie der Vorsitzende des Sportkreises Stuttgart, Fred-Jürgen Stradinger, über die Ziele und Aufgaben des Projekts. Die Schirmherrschaft hat Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster übernommen.

Das Projekt

Die gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung zeigt, dass viele Kinder und Jugendliche auch in Deutschland durch die Schulpflicht nicht automatisch ein ausreichendes Bildungsniveau erreichen. Der Zugang zu kulturellen Themen fehlt. Oftmals kommen die Betroffenen aus einem problematischen Umfeld und bildungsfernen Haushalten.

Daher wurde die Idee entwickelt, durch Fußball die Motivation zum Lernen zu fördern. Durch die Kombination von Fußballtraining und Ergänzungsstunden zum normalen Unterricht wird die Chance auf ein besseres soziales und kommunikatives Verhalten im Team ermöglicht. Zudem soll das Interesse an Bildung und Kultur geweckt werden.

Aus diesem Grund startet die Landeshauptstadt gemeinsam mit dem VfB Stuttgart die Initiative mit insgesamt 24 Schülerinnen und Schülern der Martin-Luther-Schule in Bad Cannstatt. Zweimal in der Woche findet in den nächsten eineinhalb Jahren ein gemeinsames Fußballtraining mit anschließendem einstündigem Sprachunterricht statt. "Fußball mit Kultur und Bildung zu verbinden ist eine gute Idee. Auf diese Weise geht eine zusätzliche Motivation für die Kinder aus", so Bürgermeisterin Dr. Susanne Eisenmann.

"Die Initiative trifft in Stuttgart auf fruchtbaren Boden. Die Sprach- und Lesekompetenz von Kindern so früh wie möglich zu fördern ist einer der Grundsätze unserer Integrationspolitik und eines der Ziele der Stuttgarter Bildungspartnerschaft. Ich danke den Partnern, die sich hier zusammengefunden haben und sich auf diese Weise für mehr Bildung und gerechtere Bildungschancen in unserer Stadt einsetzen."

Koordiniert wird das Projekt vom Sportkreis Stuttgart. Der VfB stellt Trainer aus seiner Fußballschule zur Verfügung, die sich auch mit den Sprachlehrern der Martin-Luther-Schule abstimmen und eng zusammenarbeiten. Außerdem erhalten alle Kinder zu Beginn des Projekts ein VfB-Trainingsoutfit.

"Der VfB Stuttgart ist sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und hat bereits beim Projekt "kicken und lesen" sehr gute Erfahrungen gemacht", so VfB-Präsident Erwin Staudt. "Wir sind überzeugt, dass die Schülerinnen und Schüler auch bei 'Fußball trifft Kultur' spielerisch lernen und mit viel Spaß bei der Sache sein werden."

Die Teilnahme am Projekt ist für die Kinder kostenlos. Die Kosten von rund 35.000 Euro werden von der Bundesbeauftragten für Integration im Bundeskanzleramt, Frau Prof. Böhmer, und der Robert Bosch Stiftung finanziert. Das Staatliche Schulamt unterstützt das Projekt mit zwei zusätzlichen Lehrerstunden.

Das Training findet zweimal in der Woche statt und endet im Juli 2011. Das Programm wird nur während der Sommerferien und der Weihnachtsferien unterbrochen. Auch die Kultur soll den acht- bis neunjährigen Kindern in den nächsten eineinhalb Jahren näher gebracht werden. Außer dem Bewegungsprogramm und der Sprachförderung warten daher auf die Kinder auch Ausflüge oder Museumsbesuche.

"Sport, Kultur und Sprache in einem zu fördern ist ein ganzheitlicher Ansatz, der sicherlich nachhaltig genutzt werden kann. Ich bin daher sehr gespannt auf die Erfahrungswerte und hoffe, das Projekt bei einem erfolgreichen Verlauf auch auf andere Schulen ausweiten zu können", so Bürgermeisterin Eisenmann.

Die Schule

Die Martin-Luther-Schule in Bad Cannstatt ist mit ihren 440 Kindern eine der größten Grundschulen in Stuttgart. Mehr als 50 Prozent der Kinder haben eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit, 2/3 der Kinder einen Migrationshintergrund. Insgesamt sind 36 verschiedene Nationalitäten vertreten. Die kulturelle Vielfalt wird von allen als Bereicherung verstanden und erlebt.

Im Schulprogramm ist die verstärkte Förderung der Kinder im musischen und im sozialen, sowie auch besonders im sprachlichen Bereich verankert. Der Schwerpunkt Sprachförderung bestimmt den schulischen Alltag, die einzelnen Elemente sind vielfach untereinander vernetzt.

"Das Projekt 'Fußball trifft Kultur' stellt eine interessante und sehr attraktive Ergänzung und Erweiterung der bereits bestehenden Angebote im Bereich der Sprachförderung dar", so der Rektor Martin Schmidt. Und weiter: "Es stieß auf großes Interesse und erhielt an der Schule eine sehr positive Resonanz und Nachfrage. Leider konnten wegen der begrenzten Kapazität nicht alle interessierten Kinder der Klassenstufe drei aufgenommen werden. Die Schule dankt allen, die mit dazu beigetragen haben, das Projekt in Stuttgart auf den Weg zu bringen ebenso wie der Bundesbeauftragten für Integration im Kanzleramt und der Robert Bosch Stiftung für die finanzielle Ausstattung sowie dem Staatlichen Schulamt in Stuttgart, das zusätzliche Lehrerstunden für das Projekt zur Verfügung stellt."

Für den Erfolg des Projekts ist es wichtig, die Eltern von Beginn an in das Programm mit einzubinden. Sie sollen so intensiv wie möglich ihre Kinder in dem Prozess begleiten. So sind Elternabende an der Schule geplant und auch die Begleitung bei den Ausflügen ist erwünscht.

Die Koordination

Die Koordination für das Projekt hat der Diplom-Sportpädagoge Uwe Jaeger vom "Gemeinschaftserlebnis Sport" beim Sportkreis Stuttgart übernommen. "Unsere Erfahrungen in der Projektarbeit zeigen, dass jedes Projekt einen 'Kümmerer' und eine zentrale Ansprechperson braucht, die die Partner informiert und dabei die Zielsetzung im Auge behält," so der Vorsitzende des Sportkreises Stuttgart, Fred-Jürgen Stradinger. "Ich sehe den Sportkreis Stuttgart als zentralen Ansprechpartner für alle Belange des Projekts 'Fußball trifft Kultur'."

Die Gesamtverantwortung für das Projekt in Stuttgart liegt bei der Kinderbeauftragten der Stadt, Roswitha Wenzl. Sie hat die Kontakte mit den Initiatoren des Projekts, der LitCam der Frankfurter Buchmesse, und dem Projektträger in Berlin, der S. Fischer Stiftung, hergestellt und die Partner vor Ort zusammengeführt.

Die Paten

Als Paten für das Projekt "Fußball trifft Kultur" konnte der VfB-Profi Zdravko Kuzmanovic gewonnen werden, der auch beim Auftakttraining dabei war. Der serbische Nationalspieler wurde in der Schweiz geboren, spielte beim FC Basel und dem AC Florenz und trägt seit Sommer 2009 das VfB-Trikot.

Aus dem Bereich der Kultur hat die Kinder- und Jugendbuchautorin Elisabeth Zöller ihre Patenschaft zugesagt. Zöller setzt sich in ihren Büchern immer wieder mit den Themen Integration und Stärke auseinander, schrieb unter anderem aber auch das Kinderbuch "5 Nervensägen im Fußballfieber". Zöller wohnt in Münster, ist aber oft auf Lesereisen in Stuttgart und der Region und wird so in den nächsten eineinhalb Jahren immer wieder die Kinder besuchen und den Projektfortgang beobachten.

Das Projekt in der Praxis

Zu den Highlights außerhalb der Trainingseinheiten wird eine gemeinsame Fahrt im Juni 2010 nach Berlin sein. Hier treffen sich alle am Projekt "Fußball trifft Kultur" beteiligten Schülerinnen und Schüler aus Frankfurt, Hamburg, Berlin und Stuttgart. Auch die Teilnahme am 24-Stunden-Lauf für Kinderrechte am 3./4. Juli in Stuttgart steht auf dem Programm, ferner der Besuch des Kinder- und Jugendtheaters und eine Neckarschifffahrt ins Literaturmuseum in Marbach oder der Besuch von städtischen Kultureinrichtungen.

(red)


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