Ein Jahr danach
Amoklauf von Winnenden: Erinnerungen eines Redakteurs

Amoklauf von Winnenden: Erinnerungen eines Redakteurs. Ein Jahr ist nun nach dem schrecklichen Amoklauf von Winnenden vergangen. Viele von uns erinnern sich noch genau daran, wo sie waren, als sie die Nachricht erreichte.
So saß ich im Büro und ging meinem alltäglichen Geschäft nach, bis mich so gegen 9.45 Uhr die Nachricht per SMS erreichte: „Schüsse in Schule in Winnenden. Tote, Verletzte, irgendwas mit Albert..“
Das Albert sollte ich später als Albertville herausstellen. Mein erster Gedanke war: Was? Das kann ja nicht sein?!“ Es dauerte wenige Minuten nach der SMS bis meine Schwester mich anrief und mir mitteilte, dass sie versuche ihren Sohn – der ebenfalls in Winnenden zur Schule ging – heranzukommen, doch „die lassen mich nicht hin“. Nun schwankte die unglaubwürdige Situation in beängstigende Realität um.
Die Meldungen über Verletzte und Tote an der Schule überschlugen sich. Im Büro herrschte rege Aufregung. Es gab keine bestätigte Meldung, bis wir um elf Uhr am Vormittag mit der ersten Nachricht erschienen, die auf flüchtigen Aussagen aus Polizeikreisen gestützt war.
Ich machte mich umgehend auf den Weg zur Albertville Realschule in Winnenden. Immer auch im ständigen Kontakt zu meiner Schwester, die immer noch auf ihren Sohn wartete. Die Schulen wurden - wie ich später erfuhr - in der Zwischenzeit geräumt und die Kinder mit Polizeischutz evakuiert.
An der Schule angekommen, bot sich mir ein Bild, welches ich bis heute nicht vergessen habe und ich es auch einfach mit „beängstigend und schrecklich“ überschreiben möchte. Einem Kollegen der BBC gab ich ein Interview am Telefon und sagte nur: „It is a very horrible situation there.“
Das Ausmaß der Tat von Tim K. war noch nicht richtig bekannt. Wohl aber die Gewissheit, dass es Tote gibt…. Tote?.. Kinder, die am morgen in die Schule gingen, um zu lernen? Diese wurden nun getötet? Ich meine, ich habe noch keine langjährige journalistische Erfahrung, doch ich bin fest davon überzeugt, dass diese Bilder und Eindrücke auch den routiniertesten Berichterstatter nicht vergessen lassen.
Jetzt ist ein Jahr vergangen und um 9.33 Uhr werden die Glocken zum Gedenken an die Ermordeten läuten. Der Amoklauf von Winnenden ist eine schreckliche Tat, die nicht vergessen werden kann und vergessen werden sollte. Nicht nur ein Jahr danach…
(kl)
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