Kunstvolle Schattenrisse stimmen ein
Neue Eingangsgestaltung der Wilhelma Stuttgart

Neue Eingangsgestaltung der Wilhelma Stuttgart. Den Eingangsbereich der Wilhelma zwischen Parkhaus und Hauptkassen zieren seit heute neue Schautafeln: Fünf große Schattenrissbilder mit Motiven aus der Wilhelma Stuttgart stimmen hier künftig auf den Besuch im „Garten des Königs“ ein.
Die Schaufafeln veranschaulichen einerseits den Werdegang des Parks: vom persönlichen Lustgarten des Königs Wilhelm I. und seiner maurischen Architektur bis hin zum einzigen zoologisch-botanischen Garten Europas. Andererseits hebt jede Tafel eine Besonderheit der Wilhelma hervor – ihre Historie, ihre botanische und ihre zoologische Seite ebenso wie das Zusammenspiel aller dieser Aspekte. Und nicht zuletzt ihre Bedeutung für die Menschen als ein Zugang zur Natur mitten in der Stadt, als ein Ort der Erholung und Bildung.
Zeitlos und zum historischen Ambiente passend sollten die Tafeln gestaltet werden. Und anstatt die Besucher schon vor dem Betreten des Parks mit Informationen zu überhäufen, sollen sie die Phantasie anregen und Lust auf die Wilhelma und vielfältige Entdeckungen machen. Soweit das Konzept. Umgesetzt und künstlerisch mit Leben gefüllt hat es die Grafikerin Jutta Sailer-Paysan, die schon seit vielen Jahren Informationstafeln für den Wilhelma-Park gestaltet. Die technische Realisierung und Produktion der Schautafeln übernahm das Ingenieurbüro Wegweiser von Michael Welsch in Sinzheim.
Im Hintergrund: Die Geschichte des Schattenrisses
Eigentlich waren bereits viele Höhlenmalereien Schattenrisse. Als Kunstform seit Jahrtausenden gepflegt wurden Schattenriss und Scherenschnitt jedoch vor allem in China. In Europa wurde diese Art der darstellenden Kunst Anfang des 18. Jahrhunderts dank Étienne de Silhouette bekannt. Der als Geizhals verschriene Finanzminister von Ludwig XV. verbot Farbportraits, um teure Ölfarbe zu sparen, und wünschte stattdessen einfache „Profilrisse“. Damit haftete den ersten Schattenrissen der Makel des „Ärmlichen“ an, was zur Redewendung „à la Silhouette“ führte.
Bald aber emanzipierte sich die Schattenkunst von diesem Makel und wurde zu einem beliebten Stilmittel. In Deutschland erlebte sie in der Goethezeit eine Hochkonjunktur, wie umfangreiche Samm-
lungen mit den schattenhaften Köpfen von Adeligen, Intellektuellen und Künstlern aus dieser Zeit belegen. In der Neuzeit wurde der künstlerische Umgang mit Schatten und Umrissen in vielen Varia-
tionen neu belebt – durch zeitgenössische Künstler wie die Dadaisten, wie Picasso und Matisse oder gar Andy Warhol. Auch heutige junge Künstler interessieren sich wieder zunehmend für diese Kunst-
form. Und in Vreden gibt es seit 2006 das erste deutsche Schattenrissmuseum: mit mehr als 14.000 traditionellen wie modernen Schattenrissen und Scherenschnitten von Künstlern aus aller Welt.
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