Enkeltrick-Betrügereien nehmen deutlich zu - Ende 2011 haben „Enkeltrick-Betrügereien" bundesweit wieder deutlich zugenommen, so die Landespolizeidirektion Karlsruhe.
Nach zahlreichen Festnahmen Anfang des Jahres haben sich die kriminellen Banden neu formiert und bereichern sich weiter an den Sparguthaben ahnungsloser Senioren.
Die Dunkelziffer bei Enkeltrick-Betrügereien ist besonders hoch: Viele Opfer zeigen das Verbrechen nicht an – aus Scham und Angst vor Ausgrenzung
Die Dunkelziffer bei Enkeltrick-Betrügereien ist besonders hoch: Viele Opfer zeigen das Verbrechen nicht an – aus Scham und Angst vor Ausgrenzung
Sie durchforsten Telefonbücher nach altmodisch klingenden Vornamen, rufen die vermeintlichen Senioren an und geben sich als Verwandte aus. Sie behaupten, in großen finanziellen Schwierigkeiten zu sein und dringend Geld zu benötigen – viel Geld. Immer wieder fallen ältere Menschen auf diese Betrugsmasche herein.
Die Einsatzgruppe "Cash Down" beim Regierungspräsidium Karlsruhe, bundesweit aktiv gegen den Enkeltrick, klärte bis heute 303 Betrugsfälle auf. Davon waren die Täter in 119 Fällen erfolgreich und erbeuteten rund 2,2 Millionen Euro.
"Wir müssen leider feststellen, dass nach einer vorübergehenden Beruhigung in diesem Bereich die Fallzahlen gerade zum Ende des Jahres 2011 wieder deutlich zugenommen haben", sagt Bernd Hagen von der Landespolizeidirektion Karlsruhe.
"Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass sich die kriminellen Banden nach einer Vielzahl von Festnahmen und der Zerschlagung der Führungsriege wieder neu strukturiert haben."
Bei einem geglückten Betrug sind die Folgen für die Senioren fatal: Oftmals ist das gesamte über Jahrzehnte angesparte Vermögen weg. Schätzungsweise nur jede zweite Tat und jeder 20. Versuch wird angezeigt.
Die betrogenen Menschen schämen sich, fürchten Streit mit ihren Kindern und Enkeln oder die Einweisung ins Altersheim. Viele der Opfer sind traumatisiert, trauen sich nicht mehr aus dem Haus oder ans Telefon. Es kommt sogar immer wieder zu Suiziden.
Zur Prävention setzt die Polizei auf die Kooperation mit den Banken. Durch eine Sensibilisierung der Bankangestellten können Enkeltrick-Delikte frühzeitig erkannt und verhindert werden. "Nicht nur die älteren Menschen selbst, sondern auch ihr soziales Umfeld wie Familie, Betreuer und insbesondere Bankangestellte sollten mit diesem Thema immer wieder konfrontiert und mit den neuesten Erkenntnissen über die Vorgehensweise der Täter vertraut gemacht werden", erklärt Anja Maultzsch, Expertin der Postbank.
Aktuell gibt die Postbank in Kooperation mit der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes eine Aufklärungsbroschüre zum Enkeltrick heraus, die in den Filialen ausliegt. (red/mj)